Nach einer verletzungsbedingt äußerst schwierigen Ausgangslage in der NÖVV-ÖMS-Qualifikation musste sich unser Team zunächst mit dem dritten Platz zufriedengeben. Die direkte Qualifikation für die Österreichischen Meisterschaften wurde damit verpasst. Dieses Ergebnis ist jedoch auch im Kontext eines außergewöhnlich starken niederösterreichischen Jahrgangs zu sehen. Zahlreiche Spieler dieses Jahrgangs stehen bereits bei St. Pölten in der 1. Bundesliga im Einsatz, zudem verfügen Wiener Neustadt sowie mehrere Mannschaften aus dem Waldviertel über sehr gut ausgebildete und konkurrenzfähige Kader. In engen und umkämpften Spielen reichte es am Ende dennoch nur zu Rang drei, der jedoch zur Teilnahme an der landesüberschreitenden, bundesweiten ÖVV-ÖMS-Qualifikation berechtigte.
Als Drittplatzierter waren die Ausgangsbedingungen entsprechend herausfordernd. In dieser bundesweiten Qualifikation traf unser Team auf den steirischen Vizemeister UVC Graz sowie auf den Vizemeister aus Oberösterreich, Linz-Steg Steelvolleys – zwei physisch starke, gut organisierte und hochkarätig besetzte Mannschaften.
Bereits bei der niederösterreichischen Qualifikation war das Team durch den Ausfall von Luca Brunner (Schulterluxation) geschwächt. Für die bundesweite Qualifikation verschärfte sich die Personalsituation jedoch nochmals erheblich: Martin Poinstingl fehlte krankheitsbedingt (Fieber), Luca Brunner weiterhin verletzt, Martino Morosini stand aufgrund seines Einsatzes bei den Winterolympischen Spielen in Italien nicht zur Verfügung, Lukas Vorstandlechner befand sich im Skiurlaub, und Leo Dirnberger kehrte nach einer rund eineinhalbjährigen Verletzungspause erst schrittweise ins Mannschaftstraining zurück und war noch nicht voll einsatzfähig. Zusätzlich konnte Fabian Bittermann nach dreiwöchiger Trainingspause aufgrund einer Knieverletzung nur eingeschränkt eingesetzt werden. Damit reiste das Team ohne seine zwei stärksten Außenangreifer und ohne die Möglichkeit, Sebastian Pichler auf der Libero-Position einzusetzen, zur Qualifikation nach Graz.
Die Rollen waren klar verteilt: Unser Team ging als klarer Außenseiter in das Turnier. Dennoch beschlossen Spieler und Trainer gemeinsam, diese Situation anzunehmen und alles zu investieren – ganz im Sinne der Waldviertler Volleyball-Mentalität: voller Einsatz, maximale Bereitschaft und der feste Wille, jede noch so kleine Chance zu suchen.
Im ersten Spiel gegen UVC Graz ging der erste Satz mit 21:25 knapp verloren. Im zweiten Satz reagierte Trainer Mitch Peciakowski taktisch und stellte Jakob Dintl auf die Außenposition sowie Jaro Oswald in die Mitte. Diese Umstellung erwies sich als Schlüssel: Der Satz wurde mit 26:24 gewonnen, der Satzausgleich war hergestellt. Im entscheidenden dritten Satz entwickelte sich ein hochdramatisches Duell, das letztlich mit 14:16 verloren ging. Besonders bitter: Ein bereits erreichter Matchball wurde durch eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung (Netzfehler) aberkannt.
Im zweiten Spiel gegen die athletisch sehr starken Linz-Steg Steelvolleys zeigte die Mannschaft erneut Charakter. Nach einer, über weite Strecken dominanten Leistung im ersten Satz folgte eine Niederlage im zweiten Durchgang, ehe im dritten Satz nochmals alle Kräfte mobilisiert wurden und dieser Durchgang gewonnen werden konnte.
Entscheidung auf der Heimfahrt – Nervosität, Mitfiebern und ein Szenario, das niemand so erlebt hat
Nach dem zweiten Spiel trat die Mannschaft unmittelbar nach dem Duschen die Heimreise ins Waldviertel an. Doch an Entspannung war im Bus nicht zu denken. Während der Fahrt – quer durch Graz bis in Richtung Hartberg – herrschte pure Nervosität. Das entscheidende dritte Gruppenspiel zwischen Linz-Steg und UVC Graz wurde nicht einfach nur per Live-Ticker verfolgt: Jeder Ballwechsel wurde mitgefiebert, jede Punkteserie kommentiert, jede Entscheidung sorgte für Anspannung.
Die Spieler, die selbst kurz zuvor alles auf dem Feld gelassen hatten, feuerten nun Linz an – wissend, dass nur ein ganz bestimmtes Szenario die Tür zur ÖMS öffnen würde. Linz musste 2:1 gewinnen, dabei aber insgesamt nicht mehr als acht Pluspunkte erzielen. Ein sportliches Rechenbeispiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war.
Und genau dieses Szenario trat ein. Linz gewann mit 2:1, der entscheidende dritte Satz endete mit 15:13. Am Ende hatten alle drei Mannschaften jeweils einen Sieg und eine Niederlage (beide 2:1), also drei Punkte. Die Entscheidung fiel über die kleine Punktedifferenz – und diese sprach hauchdünn für unser Team.
Eine Situation, die in dieser Intensität und Emotionalität niemand der Beteiligten jemals zuvor erlebt hatte.
Trainerstimme – Mitch Peciakowski
„Diese Mannschaft hat sich diesen Erfolg absolut verdient. Trotz zahlreicher Ausfälle, ohne viele Leistungsträger und mit enormer Belastung hat das Team unglaubliche Kräfte mobilisiert. Man darf nicht vergessen, dass einige Spieler bereits am Vorabend in der 2. Bundesliga im Einsatz waren und dort gegen eine starke Mannschaft aus Salzburg gewonnen haben. Diese Jungs hatten viele Spiele in den Beinen – und waren trotzdem mental extrem stark.
Was diese Mannschaft auszeichnet, ist Zusammenhalt, Charakter und der Wille, füreinander einzustehen. Genau dafür arbeitet man im Nachwuchs. Nicht nur für Titel, sondern für solche Momente.“
Damit steht fest: In zwei Wochen fährt die Mannschaft zur ÖMS nach Perg in Oberösterreich. Ein großer Erfolg für das Team, den Verein und die gesamte Region Waldviertel.

